31. Januar 2019

Im Bodensee ist Mikroplastik noch kein Problem

Von: Brigitte Walters

 

 


Über zahlreiche Möglichkeiten zur Vermeidung von Plastikmüll informieren (von links) Ralf Bertling, Samuel Roch, Kerstin und Paul Mommsen und Robert Klauer. Fulco Rid moderiert den Vortragsabend. (Foto: brigitte walters)

Kunststoffe sind nicht nur praktisch im alltäglichen Leben, sie haben auch eine negative Seite, sie belasten die Umwelt. Viele Informationen zu diesem Thema hat es am Mittwoch bei einer Vortragsveranstaltung unter dem Titel „Plastikmüll-Mikroplastik – Die dunkle Seite unseres Komforts“ des BUND und des Christlichen Bildungswerks Markdorf gegeben. Fast 200 Zuhörer waren dazu ins Haus im Weinberg gekommen.

Den Anfang machte Ralf Bertling vom Fraunhofer-Institut in Oberhausen, der eine kurze Übersicht gab, wo Kunststoffe in der Umwelt überall zu finden sind. Dabei beschränkte er sich überwiegend auf Mikroplastik, also Kunststoffpartikel und -fasern, die kleiner als fünf Millimeter sind. Sie entstehen beispielsweise beim Reifenabrieb, sind aber auch in Kosmetikprodukten und in Kleidungsstücken zu finden. Diese Teilchen gelangen über das Abwasser in die Kläranlagen und verbleiben dort fast vollständig im Klärschlamm. Deshalb sei es problematisch, wenn Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht werde, verdeutlichte Bertling. Mikroplastik sei eine der großen Umweltgefahren, habe negative Wirkung auf Tiere und ebenso auf das Ökosystem. Zu den Auswirkungen auf den Menschen gebe es die ersten Untersuchungen. Wichtig sei daher, Entsorgungssysteme zu nutzen, Kunststoffverpackungen zu vermeiden, Pfandsysteme zu nutzen und weniger Auto zu fahren.

Wie das geht, erläuterte Südkurier-Redakteurin Kerstin Mommsen aus Friedrichshafen, die, angeregt durch ihren Sohn Paul, vor einem Jahr damit begann, möglichst plastikfrei zu leben. Inzwischen kauft sie Obst und Gemüse nur noch ohne Verpackung. Für den Einkauf von Wurst, Fleisch und Käse benutzt sie eine Kunststoffdose, Milchprodukte gibt es in Mehrwegflaschen und Gläsern. Es sei ein anderes Einkaufen, erklärte sie. Bei der Kosmetik sei sie umgestiegen auf Naturprodukte, oder mache sie selber. Beim „Kaffee to go“ setzt sie auf den Pfandbecher. Einziges Problem seien noch Süßigkeiten und Spielzeug.

Mit Mikroplastik in Fischen hat sich Samuel Roch von der Fischereiforschungsstelle in Langenargen beschäftigt. Im Rahmen einer Doktorarbeit wurden jeweils zwei Fischarten in elf Flüssen und sechs Seen in Baden-Württemberg untersucht, auch der Bodensee war dabei, hier wurden sogar zwölf Fischarten untersucht. Bei etwa 40 Prozent der Felchen wurden ein bis zwei Partikel gefunden, maximal vier. Bei den Raubfischen, wie dem Hecht, waren nur knapp zehn Prozent betroffen. Sein Fazit: Im Bodensee gibt es keine besonders belasteten Bereiche, es wurden in den Fischen nur wenig Partikel gefunden.

Erste Lösungsansätze, wie Mikroplastik textilen Ursprungs zu senken ist, präsentierte Robert Klauer vom Outdoor-Ausrüster Vaude in Tettnang. Die ersten Fleece-Jacken mit Naturmaterialien sind im Angebot, dabei wurde bereits bei der Stoffproduktion der Faserverlust mittels Filtern aufgefangen. Gleiches wurde beim Waschen und Trocknen erreicht. Für weitere Produkte laufen derzeit verschiedene Forschungsprojekte.




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