31. Januar 2019

Großes Interesse an Themenabend zu Mikroplastik und Plastikmüll

Von: Jörg Büsche


Christliches Bildungswerk und BUND organisierten in Markdorf einen Themenabend zu Plastikmüll und Mikroplastik. Unter den Referenten war auch Kerstin Mommsen, SÜDKURIER-Lokalchefin in Friedrichshafen, die mit ihrer Familie den Versuch startete, Pastikmüll und Mikroplastik in ihrem Haushalt zu reduzieren. 200 Zuhörer informierten sich im Haus im Weinberg.

Rund 200 Besucher kamen zu dem Themenabend „Plastikmüll – Mikroplastik“ im Haus im Weinberg. In der ersten Reihe die Referenten (von links) Samuel Roch, Ralf Bertling, Moderator Fulco Rid, Paul und Kerstin Mommsen sowie Robert Klauer. Bilder: Jörg Büsche
Rund 200 Besucher kamen zu dem Themenabend „Plastikmüll – Mikroplastik“ im Haus im Weinberg. In der ersten Reihe die Referenten (von links) Samuel Roch, Ralf Bertling, Moderator Fulco Rid, Paul und Kerstin Mommsen sowie Robert Klauer. | Bild: Jörg Büsche

Das Thema findet derzeit viel Interesse. Rund 200 Besucher kamen am Mittwochabend ins Haus im Weinberg, um sich anzuhören, was die Referenten zu den „dunklen Seiten unseres Komforts“ zu sagen hatten. So wurde der Themenabend zu Plastikmüll und Mikroplastik im Untertitel erläutert. Eingeladen hatten das Christliche Bildungswerk (CBW) Markdorf und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

335 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr weltweit

„Meine Brille, meine Uhr, mein Wecker, meine Wasserflasche“, begann Ralf Bertling vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik seinen Vortrag. Seine Aufzählung alltäglicher Gebrauchsgegenstände wurde noch länger. „Alles Kunststoff“, resümierte der Wissenschaftler. 335 Millionen Tonnen Plastik würden weltweit produziert, 20 Prozent davon in Deutschland. Das Gewicht eines jeden Bundesbürgers werde durch einen Kunststoff-Zwilling aufgewogen. Deutlich mehr als die Hälfte des produzierten Plastiks lande auf dem Müll – Kunststoff sei ein beispielloses Wegwerfmaterial, sagte Bertling.

„Auf vier Säcke sind wir jeden Monat gekommen“, blickte Kerstin Mommsen auf die Plastik-Phase ihrer vierköpfigen Familie zurück. Die Leiterin der SÜDKURIER-Lokalredaktion Friedrichshafen berichtete den Zuhörern im Haus im Weinberg, wie es dazu kam, dass bei ihr daheim keine Nudeln mehr aus der Kunststoffverpackung in den Topf kommen und sie Milch, Quark und Joghurt im Glas kauft. „Paul hat mich drauf gestoßen“, ihr neunjähriger Sohn, erzählte Kerstin Mommsen. Er habe in einer Kindersendung von den verheerenden Folgen der im Meer treibenden Plastikmüllfelder erfahren.

Großer Andrang herrschte auch an den Tischen mit Anschauungsobjekten zum Thema Plastik. Viele Besucher informierten sich hier über Möglichkeiten, Plastik zu vermeiden.Großer Andrang herrschte auch an den Tischen mit Anschauungsobjekten zum Thema Plastik. Viele Besucher informierten sich hier über Möglichkeiten, Plastik zu vermeiden. | Bild: Jörg Büsche

Während Paul erzählte, blendete seine Mutter auf der Leinwand hinter ihm Bilder von in Netzresten gefangenen und verendeten Tieren ein. Die Redakteurin schrieb im SÜDKURIER über den mitunter auch schwierigen Ausstieg aus dem unbedachten Kunststoff-Konsum – und fand viel Resonanz. Sie plädierte für Mehrwegflaschen und konsequentes Mitbringen von eigenen Behältern in die Lebensmittelgeschäfte, um unter anderem Obst und Gemüse, Wurst und Käse zu kaufen. Sie schwärmte vom Markdorfer „Unverpackt“-Laden. Und sie erklärte, dass wenige, sinnvoll verwendete Putzmittel ebenso gut reinigen wie die in vielen Haushalten anzutreffenden Flaschenbatterien mit verschiedenen Spezialreinigern.

Lena Eickhoff, 15 Jahre:
Lena Eickhoff, 15 Jahre: "Ich fand es gut zu hören, dass es in vielen Bereichen auch ganz ohne Plastik geht. Viele sind es nicht in meinem Alter, die sich für das Problem Mikrokunststoff interessieren." | Bild: Jörg Büsche

Kerstin Mommsen erklärte, sie mixe sich ihre Gesichtscreme, ihr Deo und ihr Haarshampoo heute selber. Dadurch wolle sie Plastikmüll vermeiden, aber auch jene winzig kleinen Plastikpartikel, die die Kosmetikindustrie ihren Produkten beimischt. Werde auch auf Peeling-Kügelchen inzwischen verzichtet, so enthielten Nagellack, Duschgel oder Haarspray nach wie vor oft Mikroplastik.

Diese Mikroplastik-Teilchen seien viel zu klein, um von den derzeitigen Untersuchungsmethoden erfasst zu werden. Das erklärte Samuel Roch von der Fischereiforschungsstelle Langenargen. Bei 20 Prozent der über einen längeren Zeitraum in Baden-Württemberg untersuchten Fische haben sich Mikropartikel von einem Millimeter Größe und mehr im Magen oder Darm der Tiere ausmachen lassen. Das klinge aber nur nach Entwarnung, sagte Roch. „Die Frage ist ja: Schauen wir auf die richtigen Größen?" Kleinere Partikel ließen sich derzeit nicht erkennen, erklärte er. Es spreche aber viel dafür, dass die Kontaminierung mit solchen Kleinstpartikeln drastisch ansteige.

Jakob Strauß, 70 Jahre:
Jakob Strauß, 70 Jahre: "Mir hat gefallen, dass es so viele Beispiele gegeben hat, wie wir Verbraucher Plastikmüll vermeiden können. Aber auch der Appell, an den Handel heranzutreten, damit der auf unnötige Verpackung verzichtet." | Bild: Jörg Büsche </figcaption> </figure>

Aus dem Publikum heraus wurden die Gefahren des Mikroplastiks für den menschlichen Organismus angesprochen. Franz Beer vom BUND Markdorf warnte an diesem Punkt: „Wir machen da ein Experiment mit offenem Ausgang.“

 

 




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