Daten und Fakten

 

 

Das Projekt

Seit 1987 gibt es in der Region Bodensee-Oberschwaben Streuobstprojekte der Naturschutzverbände BUND und NABU. 1988 wurden insgesamt 60.000 l Saft hergestellt.

1991 erfolgte der Zusammenschluss verschiedener Initiativen zum Apfelsaftprojekt  (gemeinsame Anbaurichtlinien, einheitliche Kontrollen und Erzeugerpreise, außerdem gemeinsame Werbung). Projektpartner: Bodensee-Stiftung Konstanz; BUND Ravensburg; BUND Markdorf; NABU Bodenseekreis;  Modellprojekt Konstanz GmbH (Stockach); Obstkelterei Kopp (Deggenhausertal); Sinner Fruchtsäfte (Bodman-Ludwigshafen);  Schlenkerhof Natursäfte & Nektare (Ravensburg);  Stiefel Fruchtsäfte (Ravensburg).     

Inzwischen werden jährlich 300.000 bis 400.000 l Saft vermarktet.

Die Produzenten

120 Landwirte aus Bodenseekreis, Konstanz, Sigmaringen und Ravensburg: Abnahme der unbehandelten, seit 2010 biozertifizierten Äpfel zum jahresunabhängigem Festpreis, im Herbst 2016 angehoben von 17,90 €/dt auf 24 €/dt. Vertragsmenge abhängig von Baumzahl: zwischen 1 und 10 Tonnen. Darüber hinaus gehende Erntemengen können durch die Biozertifizierung zum aktuellen Marktpreis für Bio-Streuobst an die Keltereien verkauft werden. Verzicht auf Pflanzenschutzmittel beim Anbau, Streuobst nur aus eigenem Anbau und von festgelegten Grundstücken, Nachpflanzungen für abhängige Bäume, Pflege der Bäume. Vorteile für Landwirte: Imagegewinn, höhere Erlöse.

Vier Keltereien: Imagegewinn, Steigerung der Produktionsmengen, Sicherung von Rohware mit hoher Qualität, Sicherung von Marktanteilen, langfristige Kooperation mit Erzeugern.

Verarbeitung

Streuobst ist vielfältig in Form, Farbe, Größe und Geschmack, geeignet für aromatischen, hochwertigen Saft. Weniger geeignet als Tafelobst wegen EU - Richtlinien  (zu klein, Schalenmängel) . Aus dem Mostobst wird naturtrüber Apfelsaft gepresst. Dieser wird ohne rückverdünntes Konzentrat, ohne Konservierungsstoffe, Zucker, Wasser und sonstige Zusätze hergestellt. Abfüllung nach schonendem Erhitzen in Pfandflaschen.

Seit 2002 auch Apfel - Mango -Saft – in Kooperation mit dritte welt partner Ravensburg.

Kontrollen

Die Streuobstflächen werden vor Aufnahme ins Projekt besucht und die Bewirtschaftung mit dem Landwirt besprochen. Die Landwirte verpflichten sich vertraglich, ihre Bestände zu erhalten und abgängige Bäume nachzupflanzen, keine Pflanzenschutzmittel und keinen mineralischen Stickstoff-Dünger auszubringen. Insgesamt 6 bis 8 Saftanalysen garantieren eine fortlaufende Kontrolle der Streuobst-Säfte auf Pflanzenschutzmittel, das Pilzgift Patulin und Hydroxymethylfurfural (HMF). Die Landwirte und Keltereien werden jährlich im Rahmen der Biozertifizierung nach der EU-Bioverordnung überprüft.

Verkauf

Der Apfelsaft wird über den örtlichen Getränkefachhandel (185 Verkaufsstellen) sowie über Brauereien (6) und  den Direktverkauf ab Kelterei (4) vermarktet.

Werbekonzeption

Seit 1994 einheitliches Etikett der Keltereien. Informationsbroschüre, Tischsteller, Infostand aus Holz. Werbeaktionen und Verkostungen bei Messen, Infoständen und Hoffesten. Seit 1995 Händlernetz von 40 auf 185 Verkaufsstellen ausgeweitet. Seit 1996 wurden auch gezielt Großverbraucher angesprochen: inzwischen erfolgt Ausschank in 50 regionalen Gastronomiebetrieben, 8 Schulen und 6 Kantinen.

Streuobstwiesen

Die Streuobstwiesen sind in unserer Region in den letzten drei Jahrzehnten um 50 bis 80 %  der Bestände zurückgegangen, vor allem aus arbeitswirtschaftlichen Erwägungen (Wiesenschnitt, Ernte vom Hochstamm).

Der Erhalt der Wiesen ist für eine ganze Reihe von Tieren und Pflanzen von Bedeutung: in einer intakten Streuobstwiese leben mehr als 5.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Bei einer Untersuchung der Ravensburger Wiesen durch die Universitäten Ulm und Hohenheim wurden übrigens drei neue Trauermücken-Arten entdeckt.

Durch das Apfelsaft-Projekt sind derzeit 15.500 Hochstämme auf 250 ha gesichert. Die Streuobstwiesen werden dadurch nicht zum teuren Pflegefall des Naturschutzes.



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